Die Sinuskurven des Lebens (1981 / 82)

Der Februar des Jahres 1981 ist der wohl schlimmste in der Geschichte der EAV. Walter – er hat schon einmal einen Selbstmordversuch unternommen und war von Thomas aus dem Krankenhaus geholt worden – ist nirgendwo zu sehen. Wenig später findet Thomas ihn doch, in einem Zimmer im Bauernhof: diesmal war der Selbstmordversuch erfolgreich. Die Bauernhof-Kommune wird aufgegeben. Thomas und Günter ziehen nach St. Marein, Eik nach Wuppertal, Nino nach Wildon, Anders nach Wien und Gert nach Graz. Trotzdem trifft man sich, denn ein neuer Sänger muss her. Die Band favorisiert eigentlich Stefan Weber für diesen Job, aber Dickschädel Thomas will unbedingt seinen alten Freund Klaus, der noch nie ein Mikrofon in der Hand gehabt hat, als Frontmann – und bekommt ihn, zumindest "bis jemand Besserer gefunden worden ist." (was bis heute nicht der Fall ist)

 

Mit Klaus als Sänger kommt im Oktober 1982 die Single "Tanz, Tanz, Tanz" heraus. Keine einzige Plattenfirma will die Verunsicherung haben. Sie müssen, um die Single auf den Markt bringen zu können, eine eigene Plattenfirma gründen: die "UNplatte". Im November spielen sie im Haus der Jugend eines der ganz wenigen Österreich-Konzerte. Es findet die erste kleine EAV-Tournee in ihrem Heimatland statt.

 

Der Plattenvertrag (1983)

Im März steigt Gert wie angekündigt aus der Gruppe aus, um sich auf STS zu konzentrieren. "Fürstenfeld" wird im gleichen Jahr veröffentlicht und zum Superhit. Mario Bottazzi, das Schauspieler-Songwriter-Sänger-Kabarettisten-Multitalent, steigt nach einem Anruf von Anders in die Band ein. Gemeinsam arbeiten sie am neuen EAV-Programm "Spitalo Fatalo", das bereits bunter und aufwändiger als die beiden Vorgänger ist, jedoch nicht mehr so kritisch und ernst wie bisher. Im Mai 1983 ist dann Premiere. Im Juni schließen sie mit EMI einen Plattenvertrag ab, im Juli chartet der "Alpenrap" in Österreich, im August in Deutschland. Im Oktober ist die EAV erstmals in der ZDF-Hitparade zu bewundern. Erst im Oktober erscheint die LP zur Show "Spitalo Fatalo", bei der auch noch Gert Steinbäcker mitmischt! "Afrika" wird die zweite Hitsingle in Österreich. Die deutschen Rundfunkanstalten boykottieren den Titel, weil die EAV offensichtlich zu viele Wahrheiten über den typischen Massentouristen verbreitet. Im Herbst beginnt die Tournee in Deutschland vor 50 000 Zuschauern(im Dezember treten sie das erste Mal in der DDR beim "Festival des politischen Liedes" auf ). Nur zwei von insgesamt 24 Konzerten sind nicht ausverkauft!

 

Gefahr im Verzug? (1984)

Das Liveprogramm wird im Januar 1984 erweitert, die Combo steht fast jeden Abend drei Stunden auf der Bühne. Schließlich bekommen sie in Österreich ihre eigene TV-Show. "Spitalo Fatalo“ wird verfilmt und am 26.2.1984 ausgestrahlt. Schon einen Tag später schicken Nazis einen anonymen Drohbrief an die EAV. "`Warnung´ steht groß als Überschrift. `Meine lieben Herren der 1. Allgemeinen Verunsicherung! Wenn Sie bei irgendeinem Ihrer Lieder nochmals Bilder unseres Führers zeigen, werden wir Maßnahmen gegen Sie einleiten! Ihr werdet genauso enden wie die Judenschweine zwischen 1940 und 1945!`" (aus: Erste Allgemeine Verunsicherung – Kann denn Schwachsinn Sünde sein...?, hrsg. v. Peter Leopold, Wien 1988). Einige Tage später geht die EAV – ein bisschen nervöser als sonst – auf ihre zehnte Deutschland- und gleich noch mal auf Österreichtournee. Nichts passiert – zum Glück. Im August bereits die nächste Platte "A la Carte" aufgenommen, die im November veröffentlicht wird. Der "Schweinefunk" und "Go, Karli, Go" werden auf einer Vinyl-Single aufgenommen. Letztere kommt im Dezember als Single auf den Markt.

Vor einem Konzert in Kiel am 18.11.1984 wird nach einer Bombendrohung von Neonazis der Saal ergebnislos durchsucht.

 

Pech muss man haben (1985)

20 Tourneen hat die EAV bereits hinter sich. Viele harte Jahre, und immer noch kein Geld, nur hohe Schulden. Dafür besitzen sie vom ersten Tonband bis zum letzten Kabel ihrer Livebühne alles selbst. Den Sommer über sind sie im Studio von Peter Müller und produzieren "Geld oder Leben". Die Tournee startet im Oktober. Bis Ende November laufen die Deutschland-Gigs glatt. Dann fällt die EAV in eine Pechsträhne: Nino stolpert in Hamburg über einen Draht, der vor einer Parkwiese gespannt war: Armbruch, Gips, Operation. Klaus hat eine Stimmbandentzündung und bringt keinen geraden Ton mehr heraus. Anders bekommt 39ºC Fieber, Eiks Auto wird abgeschleppt und bei einem Trick für "Fata Morgana", bei dem zu einem bestimmt Zeitpunkt eine kleine Benzinbombe, die Günter in seiner Hand versteckt, geht das Ding zu früh los. Günter muss seine Verbrennungen im Krankenhaus behandeln lassen. Auch die geplanten Aufnahmen einer Live-LP im Januar fallen der Pechsträhne zum Opfer. Nino muss sich nochmals operieren lassen.

 

Ende des Jahres kommt die Überraschung, die Single "Ba-Ba-Banküberfall" ist die Nummer 4 in den österreichischen Charts und in Deutschland ist die Tendenz extrem steigend! Schnell werden im Studio die Maxisingle und eine englische Version eingespielt.

Hitparade duck dich, sie kommen (1986)

Im Februar bekommt die Band Platin für "Geld oder Leben", im Juni Doppelplatin, im November desselben Jahres Siebenfach-Gold bzw. Dreifach-Platin plus Gold! Im März läuft zum ersten Mal das Video "Ba-Ba-Bankrobbery" europaweit. In England wird es zum "schlechtesten Video des Jahres" gekürt, erreicht aber dennoch Platz 63 der britischen Charts. "Ba-Ba-Bankrobbery" wird auch in Japan, Spanien, Kanada, Portugal, Griechenland, Holland, Schweden und Dänemark veröffentlicht. Während die EAV im April im Rahmen einer 17-tägigen DDR-Tournee 25 Konzerte spielt, chartet die zweite Single Auskoppelung in Deutschland und Österreich. Was die EAV bereits vor vier Jahren beantragt hat, passiert jetzt: in der DDR kommt die erste EAV-Single in einer Miniauflage von 10.000 Stück auf den Markt. In Österreich ist die LP seit Mai unter den Top Ten, auch der Titel "Heiße Nächte in Palermo" chartet und ist bereits auf Platz Nr. 3. Der Münchner Kripochef Gottfried Reuß kann den "Ba-Ba-Banküberfall" nicht vergessen: seit der Song in der Hitliste war, ist die Zahl der Banküberfälle rapide gestiegen!

 

Im September wird die Tournee fortgesetzt – allerdings mit Problemen: Klaus hat sich beim Wasserskilaufen eine Rippe gebrochen, die ihm jetzt die Luft wegnimmt. Bei einem Konzert in der Bochumer Zeche am 14.10.1986 wirft ein "Scherzbold" bei der Kollekte während des Liedes "Heiße Nächte in Palermo" eine geladene Pistole in den Klingelbeutel. Die Waffe wird nach dem Konzert ohne Munition an den Besitzer zurückgegeben. Im Dezember spielt die EAV mit allen österreichischen Popstars beim Benefizkonzert "Geld für Leben" für behinderte Kinder 1 559 060 ATS (ca. 110 000 €) Reinerlös ein.

 

Ein Selbstläufer? (1987)

Während Eik, Günter und Anders Ski fahren, Thomas und Klaus in Thailand in der Sonne liegen, Nino seinen Bauernhof renoviert und Mario in Hamburg Musik unterrichtet, entwickelt der Erfolg der EAV eine Eigendynamik. Im Januar steigt auch "Fata Morgana" in die deutschen Charts ein, in Österreich erreicht "Geld oder Leben" Vierfach-Platin! Die Demos für die neuen Lieder sind längst fertig, allerdings ist man sich noch nicht klar, bei welcher Plattenfirma das Album veröffentlicht werden soll. Uneinigkeit herrscht zwischen alter Plattenfirma und EAV darüber, ob der Vertrag abgelaufen ist oder nicht. Erst im August wird man sich einig. Die neue LP wird im Sommer im Soundmill-Studio eingespielt. Am 17. Oktober wird dann die Single "Küss die Hand, schöne Frau" und am 26. Oktober die LP "Liebe, Tod & Teufel" veröffentlicht. Für einen Jahresrückblick des Weltsportgeschehens textet Thomas "Küss die Hand, schöne Frau" auf "Küss die Hand, ÖSV" um, zieht die erfolglosen österreichischen Skiweltcupstarter durch den Kakao und lässt die Neuversion gleich auf die Rückseite der nächsten Single "An der Copacabana" pressen. Alle 50.000 Tickets für den ersten Teil der Österreich-Tournee sind binnen zehn Tagen verkauft. Hauptsponsor der Tournee ist dieselbe Versicherung, die die EAV zehn Jahre zuvor wegen ihres Namens fast verklagt hätte.

 

Was soll das? (1988)

Nach hektischen Proben steigt im Februar das erste Konzert der Pinguin-Tour in Mühldorf bei Feldbach. Noch eine halbe Stunde vor Beginn glaubt keiner, dass aus diesem Chaos jemals etwas werden kann, das die Bezeichnung "Show" verdient, "Österreichs beste Schülerband" schafft es. Auf der Bühne erscheint u.a. eine lebende Waldheim-Karikatur. Tausende jubeln, aber es gibt auch einige Auspfiffe. Die Verunsicherung wird wegen Beleidigung des Staatsoberhauptes angezeigt. Diese Anzeige verläuft jedoch im Sande, da Waldheim es ablehnt, die Ermächtigung zu einer weiteren Verfolgung zu geben. Dafür kommt es, als "Burli" mit "Kurti" auf der Rückseite als Single veröffentlicht wird, zum nächsten Skandal: die Redakteure bei Bayern 3 bekommen das Lied in die falsche Kehle. Statt es als das zu sehen, was es ist, nämlich eine Anklage gegen alle, die den Wahnsinn der Atomkraftwerke decken, interpretieren manche das Lied über den Atommutanten "Burli" als Beleidigung der Gefühle Behinderter. In Deutschland traut sich kaum jemand "Burli" zu spielen. Die EAV wird bei vielen TV-Shows ausgeladen, sogar in Österreich wird Ö3 vorsichtiger. Zwar schreibt Thomas dem Autor eines Schreibens des "Landesverbandes der Lebenshilfe Steiermark" seine persönliche Meinung zu den im Schreiben getätigten Äußerungen und lädt die von ihm betreuten Behinderten zu einem Konzert ein, doch die Platte wird ein Flop und die EAV beschließt am 31.5.1988, eine Klage gegen den Bayrischen Rundfunk einzureichen. Jedenfalls: im Radio wird "Burli" fast nicht gespielt, während der Live-Tournee in Deutschland und Österreich wird er dennoch weiterhin gespielt.

Im Oktober 1988 veröffentlicht die EAV schließlich ein Best of-Album mit dem Titel "Kann denn Schwachsinn Sünde sein...?", auf dem sowohl alte Klassiker, zum Teil in neuem Gewande, als auch bisher unveröffentlichte Nummern und Live-Songs zu hören sind.

 

 

         

 

 

 

 

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