Es lebe das Chaos (1974-77):

Da er endlich musikalisch aktiv werden will, gründet der Informatikstudent Eik Breit im Herbst 1974 zusammen mit seinem Freund Günter Heinemann die Gruppe "Antipasta", die Urzelle der Verunsicherung. Er beherrscht zwar keine Instrumente außer dem Plattenspieler und ein wenig Mundharmonika, doch für die Stilrichtung, die ihnen vorschwebt, ist das vorläufig ausreichend. Ein weiterer Freund, Reinhard Brummer, gesellt sich als Schlagzeuger dazu. Er ist es auch, der einen Zettel am Schwarzen Brett der Uni Wien aufhängt "Gitarrist für neue Band gesucht".

 

Nino Holm hat mit der Uni eigentlich nichts zu tun. Er ist an der Kunstakademie am anderen Ende der Stadt, aber er besucht öfters die Uni und schaut immer wieder auf das schwarze Brett um nichts Wichtiges zu versäumen! Er meldet sich auf die Anzeige und wird gleich aufgenommen. Erst zehn Jahre später gesteht Eik ihm, warum er den Job bekommen hat: "Du warst der Einzige, der sich gemeldet hat!"

 

Die Band verändert sich ständig: ab Mitte 1976 spielt Thomas Rabitsch für ein Jahr an den Keyboards, Ninos Wohnungsgenosse, Źak spielt Bass – aber nicht, weil er den so gut beherrscht, sondern weil er einen hat. Wenig später steigen er, Thomas und Reinhard wieder aus. Nino holt seinen Landsmann Anders Stenmo als neuen Schlagzeuger in die Gruppe, den er über gemeinsame Bekannte kennen gelernt hat.

 

Um auf ihren wenigen Konzertauftritten nicht Lied um Lied spielen zu müssen, erzählt Eik dazwischen urige komische Geschichten, singen sie Heurigenlieder à la Hans Moser und Nino steuert ins Deutsche übersetzte schwedische Sauflieder bei. Die Abendgage reicht meist nicht mal für die Getränke. Von allem ein bisschen und kein bisschen Linie. Bis im April 1977 ein neuer Gitarrist gesucht wird. Nino erzählt von einem "Mördergitarristen, der schnellste der Welt, jedenfalls von Graz, ist. Er hat nur einen Nachteil: Seit sieben Jahren hat er keine Gitarre mehr angegriffen!" Thomas Spitzer ist Ninos Kollege auf der Kunstakademie. Thomas weiß schon jetzt, dass hinter dem Ganzen eine Idee stecken muss. Mit Nino hat er längst über die Möglichkeit einer Rock-Comix-Band gesprochen. Antipasta wird aufgelöst, die neue Band wird - zumindest in den Köpfen - gegründet. Mit dabei sind Thomas, Eik, Nino und Anders. Nach stundenlangen Diskussionen fahren sie früh morgens mit der ersten Straßenbahn am Bürogebäude der Ersten Allgemeinen Versicherung vorbei und Thomas meldet: "..ich hab´s, wir nennen uns DIE ERSTE ALLGEMEINE VERUNSICHERUNG. Die Versicherungstypen regen sich dann sicher auf und wir haben unseren ersten Wirbel!" Als Probenraum wird das (Abbruch)Haus gewählt, in dem Thomas mit seinem Kumpel Walter Hammerl wohnt. Um die Nachbarn – die es ohnehin nicht mehr gibt – nicht zu stören, bauen die Vier in ein Zimmer einen schalldichten Raum, in dem genau einmal geprobt wird. Denn der Raum ist nicht nur schall-, sondern auch luftdicht. Also wird er kurzerhand wieder zerlegt und das Wohnzimmer zum Probenraum erklärt. Thomas hat bereits eine Bühnenshow für die Verunsicherung geschrieben, als im Winter 1977 sein alter Kumpel Klaus Eberhartinger zu Besuch kommt, das Regiebuch zur Show studiert und ihn verständnislos daran erinnert, dass er es auch besser kann. Nachdem Thomas das zunächst nicht zur Kenntnis nehmen will, ist er fünf Tage verschwunden und taucht dann mit einer komplett neuen Show wieder auf.

 

Es ist Wahnsinn, aber es hat keine Methode (1978)

Im Februar 1978, drei Monate vor der Premiere ihres ersten Stückes "Uschi im Glück" ist die erste Formation der Verunsicherung vollständig: Zu den vier "Erfindern" ist Walter als Manager und Conferencier dazugeholt worden. Günter Schönberger, noch immer Lehrer in der Steiermark, ist Saxofonist und Akteur und pendelt täglich nach seinem Unterricht 360 km von Graz nach Wien zur Probe und retour. Als Sänger und Hauptakteur hat sich Thomas den Austro-Rockstar Wilfried geholt. Mit ihm ist er bereits seit Grazer Studientagen befreundet. Zwar plant der gerade eine Disco-LP aufzunehmen, aber vor allem die Kostümbildnerin der EAV, Marina Tatic, in die er total verknallt ist, macht seine Entscheidung leicht. Er steigt in die EAV ein und ist seitdem mit Marina verheiratet! Der ist entsetzt über die Konzeptlosigkeit und versucht mit seiner Bühnenerfahrung dem Haufen zu erklären, was eine Show ist. Zwei Monate lang wird trainiert, bevor "Uschi im Glück", wie das Stück, das eigentlich "Verunsicherung" heißt, irrtümlicherweise genannt wird, am 25.Mai 1978 Premiere hat und noch im selben Jahr auf LP gespielt und rund 1700 mal verkauft wird. Mit vier zusätzlichen Liedern spielt die EAV "Uschi im Glück" im Winter 1978 als Weihnachtsshow mit dem Titel "Lametta Scheinwelt".

 

Es ist Wahnsinn und es kriegt Methode (1979)

Im Sommer 1979 ziehen die Verunsicherer in einem bauernhofähnlichen Neubau im steirischen Heiligenkreuz (ca. 10 km von Graz entfernt), den Günter ein Jahr zuvor zusammen mit Thomas´ Freundin gemietet hat. Das Leben dort wird zur Mischung aus Hippie, happy und hungry: wenn jemand nach Wien fahren will, um einen Gig auszuhandeln, ist kein Geld für Benzin da, je eine Kiste Bier und Mineralwasser und billiger Reis aus dem Supermarkt müssen für Mittag- und Abendessen reichen – sieben Tage die Woche. Im September spielen die Verunsicherer ihr Programm in nur drei Tagen auf eine LP – ohne Plattenvertrag -, die mit einem 8-seitigen Comixheft verkauft wird und heute ein begehrtes Sammlerstück für Fans ist. 1979 touren sie gleich dreimal durch die deutsche Clubszene. Günter kauft seinem Onkel, einem Transportunternehmer, einen ausrangierten Bus um S 5.000,-- (ca. EUR 350,--) ab, in dem das gesamte Equipment gelagert wird, der aber während der Tour auch als Schlafstätte dienen muss.

 

Der Sommer ist ihre große Wende. Wilfried ist inzwischen mit seinen Discohits wie "Johnny´s Discothek" oder "Nights in the City" zum coolen Star geworden und hat keine Zeit mehr für die EAV. Ihm folgt ein Steirer nach: Gert Steinbäcker, der zur gleichen Zeit mit seinen beiden Freunden Günter Timischl und Helmut Röhrling alias Schiffkowitz die STS gründet. Gert steigt als Sänger in ein fertiges Programm ein. Zur Weihnachtsshow 1979 "Ihr Kinderlein kommet", die in Deutschland 20 mal gezeigt wird, nimmt er seine zwei Kollegen mit. Das Lied "Es wird heller" wird zum ersten Mal aufgeführt, damals noch von Schiffkowitz gesungen. Die im November aufgenommene Single "Ihr Kinderlein kommet" macht Eindruck und wird erstmals im renommierten "Spiegel" erwähnt.

 

Die Tücken des Live-Geschäfts (1980)

Mit der Premiere des zweiten Verunsicherungsprogrammes "Café Passé" im Rahmen der Wiener Festwochen beginnt die große Live-Phase der EAV. Das Programm wird fast 400 Mal dargeboten. Höhepunkt jeder Show ist der Alpenpunk, die mehr als raue Version des "Kufstein Liedes". Es gibt zahlreiche Parodien: ein Beatles-Medley, in dem John und Paul als schwules Pärchen auftreten, Gilbert Bécaud singt als "Monsieur 15 Ohms" ein "Isch liebe misch", Eik brilliert erstmals als Andre Heller mit "Es wird heller" und Ronald Reagan wird als Neutronen-Daddy verarscht. Mit "Café Passé" wird die EAV der gesamten kritischen Szene Deutschlands ein Begriff. Aus "Café Passé" werden zwei Singles ausgekoppelt: "Alpenpunk" und "Oh nur du" (die deutsche Version von "Only you"). Im Herbst 1980 erledigt Thomas in der Rekordzeit von nur drei Tagen seine Diplomarbeit an der Kunstakademie. Er hat auch gar keine Zeit, denn er ist gerade von einer Deutschlandtournee zurückgekommen und in Kürze beginnen die Studioaufnahmen zu "Café Passé". Kurzerhand sammelt er noch einmal alle Bühnenbild- und Kostümentwürfe der ersten LP zusammen, zeigt einen Mitschnitt der Verunsicherungs-Show und präsentiert das Ganze als "Multimediales Projekt". Im Dezember geht die EAV zum letzten Mal auf Weihnachtstournee: in Hagen wird ihr Autobuswrack von der Polizei angehalten und stillgelegt. Die Show findet an diesem Abend trotzdem statt – mit vier Stunden Verspätung!

 

 

     

 

 

 

 

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